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MOTOURISMO Scouts Adventures (3): Mit der Vintage-Enduro zum Swank Rally di Sardegna

Mit klapprigen Vintage-Enduros von Mailand nach Sardinien: Scouts Adventures Folge 3 nimmt dich mit zum Swank Rally di Sardegna, Europas nostalgischstem Offroad-Event im Geist der Paris-Dakar.

von Nikita Dashenko

Von Mailand ans Ende der Welt

Manche Abenteuer beginnen nicht mit dem perfekten Plan, sondern mit einer einfachen, fast verrückten Idee: eine alte Enduro, fünf Tage und eine Insel, auf der die 1980er nie ganz zu Ende gegangen sind. Für Folge drei unserer Scouts Adventures haben wir unsere staubigen Geländemaschinen in Mailand bestiegen und sind Richtung Süden losgerollt. Ziel: der Swank Rally di Sardegna, eines der nostalgischsten Motorrad-Events Europas.

Schon auf den ersten Kilometern Richtung Genua war klar, dass das hier kein gewöhnlicher Roadtrip wird. Unsere Enduros stammen aus einer Zeit, in der ein Roadbook mehr Vertrauenssache war als Technik und ein GPS-Gerät noch Zukunftsmusik. Genau dieses Gefühl – roh, direkt, ein bisschen unberechenbar – ist es, das den Swank Rally so besonders macht.

Über die Fähre, hinein in den sardischen Staub

In Genua ging es aufs Wasser. Die Nachtfähre trug uns und unsere Bikes über das Tyrrhenische Meer, während wir an Deck noch einmal die Ketten spannten und über die kommenden Tage philosophierten. Am nächsten Morgen liefen wir in Porto Torres im Nordwesten Sardiniens ein – Motor an, Helm auf, und plötzlich fühlte sich die ganze Anreise wie ein Vorspiel an.

Von Porto Torres rollten wir weiter Richtung Arborea, dem Ausgangspunkt des eigentlichen Rallyes, vorbei an ruhigen Küstenstädtchen und weitem Farmland. Am Horizont kündigten sich schon die schroffen Bergketten des Inselinneren an – dort, wo in den kommenden Tagen die eigentliche Arbeit auf uns wartete.

Renato Zocchi und der Geist von Paris-Dakar

Um den Swank Rally di Sardegna zu verstehen, muss man seinen Kopf kennen: Renato Zocchi, italienische Motorradlegende, der in den 1980er-Jahren selbst bei der Paris-Dakar an den Start ging, die Pharaonen-Rallye gewann und mehrfach Motocross-Weltmeistertitel einfuhr. Schon 1985 diente eine sardische Rallye als Qualifikation für die Paris-Dakar – die Insel hat also echte Wüstenrallye-Geschichte, auch wenn hier statt Sand oft Granit und Kork-Eichenwald unter den Reifen liegen.

Enduro-Fahrer auf steiniger Bergpiste im sardischen Hinterland bei Orgosolo

2018 tat sich Zocchi mit Deus Ex Machina zusammen, dem niederländischen Custom-Label mit Faible für rohe, unlackierte Motorräder, und erweckte den Rallye-Gedanken neu zum Leben. Seitdem versammelt der Swank Rally jedes Jahr rund 200 Fahrerinnen und Fahrer auf Vintage-, Klassik- und modernen Maschinen – und genau in diesem bunten Feld standen plötzlich auch wir mit unseren alten Enduros.

Fünf Tage, 300 Kilometer täglich, durchs wilde Sardinien

Was folgte, waren fünf Tage voller Staub, Schweiß und einem Streckenprofil, das es in sich hatte: felsige Bergpfade, staubige Schotterpisten und schattige Waldwege, immer wieder durchbrochen von Bachläufen und alten Hirtenpfaden, auf denen seit Jahrhunderten Schafherden getrieben werden. Rund 300 Kilometer legten wir pro Etappe zurück – vorbei an verlassenen Minen, über Bergkämme mit endlosem Ausblick und durch kleine Fischerdörfer, in denen uns die Bewohner mit erstauntem Grinsen zuwinkten.

Kein Streckenabschnitt glich dem anderen. Mal kämpften wir uns über lose Steinfelder, mal ließen wir die alten Motoren über weiche Waldwege ausrollen, während sich rechts und links das Gennargentu-Gebirge auftürmte. Unsere Vintage-Enduros – schwer, eigenwillig, ohne jeden elektronischen Schnickschnack – waren dabei genau die richtigen Werkzeuge: ehrlich im Fahrgefühl, fordernd am Berg, belohnend in jeder Kurve.

Mehr Familientreffen als Rennen

Was den Swank Rally wirklich von einem klassischen Rennen unterscheidet, ist seine Haltung. Es geht nicht um Bestzeiten oder Podestplätze, sondern – ganz im Sinne Zocchis – darum, gemeinsam zu fahren, gemeinsam die Motorräder zu reparieren, gemeinsam zu rasten und gemeinsam zu feiern. Genau diese Philosophie spürten wir auf Schritt und Tritt.

Gruppe von Enduro-Fahrern rastet auf einer sardischen Bergpiste

Neben uns fuhren echte Paris-Dakar-Veteranen wie Franco Picco und Alessandro Botturi – Männer, die in der Wüste Legenden wurden – Seite an Seite mit kompletten Neulingen, die zum ersten Mal überhaupt eine Enduro über Geröll bewegten. Niemand spielte hier den Star. Ein niederländisch-amerikanischer Mitfahrer brachte es für uns auf den Punkt: Hier treffen sich einfach Menschen, die das Fahren lieben, und genau das macht die Sache so besonders. Respekt vor der Strecke, Humor untereinander und eine gehörige Portion Demut – das war die eigentliche Startaufstellung dieses Rallyes.

Dein eigenes Sardinien-Enduro-Abenteuer

Der Swank Rally selbst ist ein geschlossenes Feld für erfahrene Fahrerinnen und Fahrer – mindestens zwei Jahre Offroad-Erfahrung, Motorräder zwischen 250 und 1200 ccm jeder Ära, eigene Vintage-Klassen für Maschinen vor Baujahr 1999, Navigation per Roadbook oder GPS, Tagesetappen zwischen 250 und 350 Kilometern je nach Kategorie. Hotels und Logistik-Trucks für das Gepäck sorgen dafür, dass am Ende des Tages trotzdem Komfort wartet.

Wenn dich dieser Geist gepackt hat, du aber lieber organisiert statt auf eigene Faust ins sardische Hinterland willst: Genau dieses Terrain – Schotterpisten, Flussbetten, einsame Bergdörfer im Landesinneren – bereist du auch auf der Motorradreise Sardinien – Enduro Offroad Tour von Motourismo. Acht Tage, rund 60 % Geländeanteil, organisierter Motorradtransport ab Deutschland und zwei 4-Sterne-Hotels direkt am Meer als Basis für deine Etappen – dein eigener kleiner Swank Rally, nur mit garantiertem Bett am Abend.

Für uns war dieser Trip jedenfalls klar: Sardinien ist mehr als eine Insel für Traumstraßen und Küstenkurven. Im Landesinneren wartet ein raues, ehrliches Offroad-Sardinien – und der Geist von Paris-Dakar lebt dort, in einer Wolke aus Staub, immer noch.

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