Von Tunesiens Dünen bis Kapstadt–Kairo: die Geschichte eines Unternehmens, das Abenteuerreisen neu definiert hat.
Es beginnt nicht mit einem Geschäftsplan.
Nicht mit Investoren, Markenstrategien oder PowerPoint-Folien.
Es beginnt mit einem Schrauber in einer Tübinger Garage, der sein Motorrad nicht als Fahrzeug versteht, sondern als Werkzeug, die Welt anders zu sehen. Seit Mitte der 90er-Jahre verbringt Joe Küster jeden freien Moment auf Reisen. Osteuropa, Südeuropa, Nordafrika - oft allein, manchmal mit Freunden, immer mit dem gleichen Bedürfnis: dorthin zu fahren, wo Karten grau werden und Asphalt aufhört.
Was damals niemand ahnt: Aus dieser Garage entsteht einer der prägenden Abenteuerreiseveranstalter des deutschsprachigen Raums.
Der Rest ist Geschichte und beeinflusst die Szene bis heute.
Als OVERCROSS die erste Tunesienreise im Frühjahr 2001 fährt, existiert der Begriff „Endurotour“ im heutigen Sinn kaum. Wer in die Wüste wollte, musste Rallye fahren oder allein das Risiko tragen. Reiseanbieter konzentrieren sich fast ausschließlich auf Pyrenäen, Alpen oder kurvige Asphaltklassiker.
OVERCROSS bricht damit.
Die Sahara-Touren von 2002 und 2003 - dokumentiert in alten Logbuch-Nachrichten, aus einer Zeit, als man noch eine Wüsten-Mailadresse angab - zeigen ein frühes Bild dessen, was heute selbstverständlich scheint:
Diese Touren legen den Grundstein für eine völlig neue Form des Motorradreisens im deutschsprachigen Raum.
Abenteuer, aber geführt. Expedition, aber sicher. Wildnis, aber mit Struktur.
Viele spätere Anbieter orientieren sich genau an diesen Formaten, Routen und Konzepten.
Die Szene beginnt sich zu verändern.
Mit wachsender Nachfrage wächst 2003 der Anspruch:
Wenn mehr Menschen Offroad fahren wollen, müssen sie es lernen können.
In einer Zeit, in der die meisten Teilnehmer „Learning by Doing“ betreiben, baut OVERCROSS systematische Offroad-Trainings auf. Nicht nur Kurse, sondern ein strukturiertes Konzept:
Das Unternehmen bildet eigene Ausbilder aus, entwickelt Trainingsmethoden und beginnt, Reisen und Trainings intelligent zu kombinieren.
2006 folgt ein Schritt, der in dieser Branche ungewöhnlich ist:
OVERCROSS wird IHK-zertifizierter Ausbildungsbetrieb.
Was heute selbstverständlich erscheint, dass ein Reiseveranstalter mit klaren Qualitätsstandards arbeitet, war damals ein Statement.
Ein Zeichen, dass Offroadreisen nicht improvisiert abgewickelt werden, sondern professionell geführt werden können, ohne ihren Charakter zu verlieren.
Während viele Anbieter ab den 2000ern ihren Fokus auf Alpen, Pyrenäen und Südfrankreich legen, zieht es OVERCROSS weiter:
Russland.
Sibirien.
Altai.
Patagonien.
Mongolei.
Es entstehen Touren, die nicht nur fahrerisch anspruchsvoll sind, sondern logistisch komplex:
Transportwege, Begleitfahrzeuge, Visa, lokale Partner, Mechaniker, Notfallkonzepte.
Reiseberichte von Teilnehmern: „Einmal in die Mongolei und (fast) zurück“ - erzählen von Flüssen ohne Brücken, von Karten, die nicht stimmen, und von Nächten in Jurten, in denen die Temperatur fällt und das Motorrad draußen knistert.
Mit diesen Touren etabliert OVERCROSS im deutschsprachigen Raum ein Format, das es vorher kaum gab:
Geführte Fernreise-Expeditionen, bei denen man das Gefühl hat, allein unterwegs zu sein, obwohl man es nicht ist.
Das Konzept prägt die Szene bis heute.
2014 entsteht bei einem Kaffee eine Idee:
Was wäre, wenn man wirklich von Kapstadt nach Kairo fahren würde?
Nicht als Marketingclaim.
Nicht als symbolische Teilstrecke.
Sondern: vierzig Tage, zehntausend Kilometer, Wüste, Savanne, Berge, Grenzposten, Kulturen, Herausforderungen - das volle Programm.
2016 startet die erste TransAfrica East Expedition.
Sie wird ein Meilenstein. Nicht nur für OVERCROSS, sondern für die gesamte Szene.
Es folgen Varianten wie „Go West“, Kooperationen mit Touratech, filmische Dokumentationen, Social-Media-Serien und Berichte in Magazinen wie MOTORRADonline.
Bis heute gilt die Transafrika vielen als:
Tour, die man als geführte Expedition im deutschsprachigen Raum fahren kann.
Sie markiert den Moment, in dem OVERCROSS endgültig nicht mehr nur „Reiseveranstalter“ ist, sondern Teil der europäischen Adventure-Geschichte.
Wer die alten Blogartikel liest, merkt schnell:
OVERCROSS sieht Reisende nicht als Kunden, sondern als Begleiter.
„Danke an alle Weggefährten“, heißt es in einem frühen Newsartikel. „Danke an alle, die diesen Weg mit uns gegangen sind.“ Viele Teilnehmer fahren zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre mit OVERCROSS. Manche mit Kindern, die inzwischen selbst reisen.
2002 entsteht eine der ungewöhnlichsten Ideen: Family-Offroadreisen.
Abenteuer in den Osterferien, Eltern und Kinder gemeinsam.
Ein Konzept, das zeigt, wie sehr OVERCROSS Abenteuer als Lebensform versteht, nicht als Produkt.
Diese Community-Struktur prägt das Unternehmen.
Und sie beeinflusst die Szene, lange bevor „Community Travel“ ein Buzzword wird:
Dieses Modell, persönlich, nahbar, authentisch, unterscheidet OVERCROSS bis heute sichtbar vom Markt.
Mit dem Launch der englischen Website www.overcross.com öffnet das Unternehmen seine Türen bewusst für internationale Gäste. Gleichzeitig wächst die 4x4-Sparte, Erlebnisreisen entstehen, Safari-Offroadtouren in Ostafrika kommen hinzu.
Statt sich auf ein Segment zu beschränken, verbindet OVERCROSS nun drei Abenteuerwelten:
Der gemeinsame Nenner bleibt:
Authentizität, kleine Gruppen, lokale Guides, Fahrkultur statt Massenprodukt.
Es ist ein Angebot, das in dieser Form nur wenige Veranstalter abdecken können.
Nach 25 Jahren rückt etwas Neues in den Vordergrund:
Die OVERCROSS Academy.
Sie bietet Technik-Workshops, Tourguide-Ausbildungen, Sicherheitsmodule und macht Wissen zugänglich, das früher nur intern existierte. Ein wichtiger Schritt in einer Branche, die zunehmend Professionalität verlangt.
Parallel dazu wirken neue Destinationen wie Äthiopien oder Botswana, und gleichzeitig tritt Gründer Joe bewusst in die zweite Reihe. Das Team übernimmt Verantwortung, Strukturen werden breiter, Know-how wird geteilt.
Der Geist bleibt derselbe:
Reisen sollen echt sein.
Handwerklich, nicht industriell.
Erlebt, nicht simuliert.
Diese Punkte sind nicht Marketing, sondern dokumentierte Realität der letzten zweieinhalb Jahrzehnte.
Nicht wegen der Kilometerzahl.
Nicht wegen der exotischen Ziele.
Nicht wegen der Marketingbegriffe.
Sondern weil OVERCROSS etwas geschafft hat, was in der Szene selten geworden ist:
Sie sind authentisch geblieben, während sie professioneller wurden.
Sie haben Wurzeln bewahrt und gleichzeitig neue Wege geöffnet.
Sie haben Abenteuer nicht verkauft, sondern ermöglicht.
Aus einer Garage wurde ein Reiseveranstalter.
Aus einer Vision wurde ein Konzept.
Aus einem Schrauber wurde der Motor einer Szene.
Und aus 25 Jahren Erfahrung wurde ein Fundament, auf dem heute hunderte Touren stehen.